Der Rest Clenins Tages war frustrierend und ziemlich unproduktiv. Er rief die Telefonnummer noch fünfmal an, aber es gab keine Antwort. Nach dem viertem Anruf schellte das Telefon nicht mehr. Er fragte den Telefonbetreiber, ob er wusste, wo dieses Telefon war. Der Telefonist wusste leider nur, dass dieses Telefon in dem Kanton Bern war. Clenins Auto und die Leiche von dem junge Polizeioffizier war noch von Polizei und Bürgerwehr in Beschlag genommen. Aber sie haben nichts gefunden, außer dass Clenin's Auto von einer italienischen Grenate zerstört worden war. Clenin sprach zweimal mit dem Polizeichef von Bern. Der Polizeichef, der mollige und kompetente Franz Huppman, der normalerweise energetisch und freundlich war, war erschüttert und wütend, weil er zwei von seinen Offizieren in zwei Tagen verloren hatte. Huppman sandte ein paar Polizeioffiziere aus, um Ulrich wiederzuerhalten und arrangierte, dass Clenin in Bern blieb. Abel war nur einmal kurz gegen sechzehn Uhr zurückgekommen, mit einer Kopie von einem Telegraf von Twann. Dieses Telegraf sagte, dass Ulrichs Leiche und das Auto, in dem er gefunden worden war, nach Bern abgeschleppt worden war.
Clenin verbracht die Nacht in der Polizeiwache, aber er schlief wieder sehr wenig. Am nächsten Tag erzählte Huppman Clenin manche wichtige Informationen. Vor seinem Tode hatte Ulrich in einem Ort neben dem italienischen Gardasee gearbeitet. Ulrich hatte das Aussehen der italienischen Munition in Bern untersucht. Ulrich war die vorherige Woche nach Hause zurückgekommen, weil sein ehemaliger Partner am 30. Oktober gestorben war, vermutlich bei einem Kletterunfall auf dem Eiger. Ulrich's Partner hatte seine Arbeit mit der Polizei im September beendet, weil er gestresst gewesen war.
Clenin suchte Ulrich's Haus ab. Ulrich, ein deutscher Einwanderer, kam in die Schweiz in den Dreißiger Jahren. Er hatte keine Familie (die Clenin kannte), außer seine Verlobte, die in Berlin lebte. Wenn Clenin sich richtig daran erinnerte, dann hatten Ulrich und seine Verlobte einander für fast zehn Jahren nicht gesehen. Jetzt können sie einander nicht mehr sehen... Ulrich's Haus war verschlossen und verriegelt. Clenin brach leise ein Fenster und stieg ein. Das Haus war nicht besonders warm, aber auch nicht staubig. Das Bett war nicht gemacht, und in der Küche gab es halb aufgegessenes Brot und ein geöffnetes Marmeladenglas. Das Telefon saß neben dem Haken. In einer Schublade neben dem Bett war ein Revolver. Es war die gleiche Waffe, die an Clenins Taille hing , außer dass zwei Ladungen fehlten.
Clenin rief Huppman mit Ulrichs Telefon an.
<<Huppman>> antwortet der Polizeichef
<<Hallo, hier ist Clenin>>
<<Also. Grüss Gott Clenin. Ich hab' etwas mit Ihnen zu reden. Aber was ist jetzt los?>>
<<Ich bin jetzt in Ulrichs Haus. Er war vor ein paar Tagen hier, aber es gibt kein Feuer. Er ist übereilt aufgebrochen. Das Telefon war nicht an dem Haken, und ich denke, dass er beim Frühstück war, als er aufgebrochen ist.>>
<<Frühstück?>>
<<Ja, genau. Es gibt halbaufgegessene Semmel auf dem Tisch, und so weiter. Aber ich muss wissen, mit welcher Waffe Ulrich erschossen worden ist. Sein Revolver ist hier, zweimal abgeschossen.>>
Es gab eine lange Pause.
<<Alphons... ah, ich weiß nicht. Ulrich und sein Auto sind nicht hier.>>
<<Nochmal bitte?>>
<<Ich glaube die beiden sind entführt worden.>>
<<Was? Wann?>>
<<Keine Ahnung, verdammt. Bitte kommen Sie sofort zur Polizeiwache zurück.>>
<<Jawohl.>>
Clenin hing das Telefon auf und fluchte. Er lief zu seinem (ausgeliehenen) Polizeiwagen. Bevor er einstieg bemerktet er etwas unter der Stoßstange. Er stieß sich schnell zurück, als er die Schatten von zwei versteckten Männern neben dem Haus bemerkte. Clenin begann abzuhauen, und versuchte, seine Pistole zu ziehen. Er lief die Strasse geradeaus, und hört ein Ruf auf italienisch, als plötzlich Schüsse erschallten....
Telefonbetreiber - Telephone (switchboard) Operater
in Beschlag genommen - crowded with
wiederzuerhalten - to recover
abgeschleppt - towed
verschlossen und verriegelt - locked and barred
staubig - dusty
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